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Dorfgeschichte

Dominant ist der Turm der Kath. Pfarrkirche Heilig Geist, welcher im Untergeschoß der späten Romanik des 13.Jhd. entstammt. Das Kirchenschiff und der Chor sind im Kern spätgotisch, die Barockisierung erfolgte im 18.Jhd. Das Hochaltargemälde von Josef Hafner zeigt Maria mit dem Rosenkranz, verehrt durch Dominikus und Afra. Das Deckengemälde, geschaffen vom Wessobrunner Johann Jaud , stellt das Pfingstfest dar. Die 2 Seitenaltäre zeigen den Hlg. Rochus und den Hlg.Sebastian.  Die Verehrung des Hlg. Rochus hat in Apfeldorf eine lange Geschichte und geht auf die schlimmen Pestjahre in den Jahren 1592, 1628 ,1732 und 1793 zurück. Damals verlobte sich die Gemeinde dem Pestpatron St. Rochus. Mehrere Votivtafeln weisen auf dieses Gelübde hin. Der Rochustag am 16. 8. gilt heute noch als Feiertag. In dem um die Pfarrkirche liegenden Friedhof wurden bis zum Jahre 1996 die Toten der Gemeinde beerdigt. Jetzt ist der im Jahre 1986 eingeweihte gemeindliche Friedhof die letzte Ruhestätte für die Verstorbenen. Von 1454 bis 2007 sind in der Pfarrgemeinde 48 Pfarrherrn erwähnt.

Zur Pfarrei Apfeldorf, welche bis zur Säkularisierung im Jahre 1803 dem Kloster Polling unterstand, gehörte auch die Filialkirche St. Anna in Birkland. Erst im Jahre 1810 wurde diese Pfarrei dann selbständig.

Zwischen Unter- und Oberapfeldorf steht die Haldenkapelle, welche sich ursprünglich am Lech befand. Besonders die Floßleute sollen hier vor dem Bildnis der „lieben Frau“ um besonderen Schutz gebetet haben. Am Altar befindet sich die Figur des „Gegeißelten Heilands“, welche dem Vorbild in der Wieskirche nachgebildet ist. Seit nach dem 2. Weltkrieg werden in dieser Kapelle die Verstorbenen der Gemeinde bis zu ihrer Beisetzung aufgebahrt.

Ein besonderes Bauwerk stellt in der Pfarrgemeinde Apfeldorf der Pfarrhof dar. Probst Franziskus vom Kloster Polling beauftragte den Münchner Stadtbaumeister Johann Michael Fischer in Apfeldorf neben der Pfarrkirche einen neuen Pfarrhof zu bauen. Die Einweihung erfolgte im Jahre 1750. Da Johann Michael Fischer später ein berühmter Baumeister wurde, ist auch dieser Pfarrhof historisch wertvoll. Im Jahre 2008 einigten sich Kirchenstiftung und Gemeinde zur Renovierung und gemeinsamen Nutzung des Gebäudes.

 Neben der Flößerei und dem Schloss Rauhenlechsberg galt früher vorwiegend die Landwirtschaft als Haupterwerb. Auch waren viele Kleinhandwerker ansässig. Es gab Weber, Seiler (Stricker),  Schneider, Schuster, Schäffler, Wagner, Schreiner und sogar einen Kreuzlmacher. Am Rottbach und am Lechhang gab es ein Sägewerk, die Grub- und die Dorfmühle so wie mehrere Ölmühlen, des weiteren einen Kalkofen, eine Ziegelei und eine Pecherei. Zahlreiche Hausnamen sind noch heute Zeugen längst vergangener Gewerke.

Die industrielle Entwicklung brachte eine Umstrukturierung in der Gesellschaft. Nach dem 2. Weltkrieg suchten zahlreiche Dorfbewohner Arbeit in den benachbarten Städten. Ein bestimmter Stand von Handwerksbetrieben konnte sich im Dorf etablieren, zur  Zeit sind 25 gewerbliche Betriebe gemeldet, hinzu kommen ca. 70 Kleingewerbe. Von rund 650 berufstätigen Personen sind etwa 500 Pendler. Auch die Landwirtschaft erfuhr starke Veränderungen. Gab es im Jahre 1949  noch 121 Betriebe, ging deren Zahl bis 1975 auf 99 zurück. Heute sind es noch 38, deren Mehrzahl aber im Nebenerwerb betrieben wird.  Die Böden in Apfeldorf sind von unterschiedlicher Qualität, teilweise auch sehr moorig. Ein Grossteil wurde einmal durch Drainagen entwässert, jetzt werden Teilflächen wieder stillgelegt und renaturiert. 

1972 kam die Gemeinde Apfeldorf, im Rahmen der Landkreisgebietsreform, zusammen mit den anderen Lechtalgemeinden von Schongau nach Landsberg. 1978 konnte die Gemeinde ihre Selbstständigkeit im Rahmen einer Verwaltungsgemeinschaft (Reichling) retten.

Heute ist Apfeldorf eine blühende Gemeinde mit ca. 1.100 Einwohnern. Die Schule, die Kirche, der Kindergarten, die Turnhalle, das Natureisstadion, die Sportplätze, die Tennisplätze gehören zu den Einrichtungen, die aus der Gemeinde nicht mehr wegzudenken sind. Das gesellschaftliche Leben im Dorf wird von den rührigen Vereinen wie der Feuerwehr, dem Sportverein, dem Trachtenverein, der Trachtenkapelle, dem Schützenverein, dem Obst- und Gartenbauverein, dem Soldaten-, Veteranen und Reservistenverein, dem Theaterverein und der Landjugend getragen.

Kupferstich

Ein bedeutender Teil der Apfeldorfer Geschichte ist die Verbindung zur Flößerei. Die geografische Lage zum Lech machte die Flößerei in Apfeldorf zum Haupterwerbszweig vieler Dorfbewohner. Die Flößerei auf dem Lech war ein Verkehrs- und Handelsgewerbe, das jahrhundertelang florierte und zahllosen Menschen in den Dörfern und Städten südlich von Landsberg Verdienstmöglichkeiten bot. Hauptziel der Lechflößer war das Handels- und Verbraucherzentrum Augsburg, viele fuhren jedoch auch weiter die Donau hinunter bis nach Wien oder Budapest. Der bekannteste Lechflößer aus Apfeldorf war sicher Flößermeister Josef Schwaller (1844-1909). 

Die Gegend um Apfeldorf blieb nicht von Kriegshandlungen verschont. 1525 kam es zu Plünderungen infolge des Bauernkrieges, im Dreißigjährigen Krieg wurde etwa ab 1632 auch die Apfeldorfer Gegend in Mitleidenschaft gezogen , die Schwedischen und die Kaiserlichen Truppen überboten sich mit Grausamkeiten und Beutezügen. Der Spanische und der Österreichische Erbfolgekrieg peinigte die Bevölkerung. Der erste und besonders der zweite Weltkrieg forderte von Apfeldorfs Bevölkerung hohe Verluste, 36 bzw. 76 junge Männer mussten ihr Leben lassen. Unsagbares Leid mussten wie überall die Menschen ertragen.

Das Apfeldorfer  Kriegerdenkmal  ist ein besonders markantes Mahnmal, errichtet 1871. Ehemals war es nur ein achteckiger Obelisk, später wurde dieser durch die Figur der Germania ergänzt. Im Jahre 2006 wurde dieses Mahnmal letztmals im Zuge der Dorfentwicklung neu renoviert. Dem neu gestalteten Dorfplatz  gibt dieses nicht alltägliche Kriegerdenkmal eine besondere Note.

Schenkungsurkunde

Die erste urkundliche Erwähnung Apfeldorfs findet man in einem Kauf- und Schenkungsbrief aus dem Jahre 1305. Diese Urkunde zeigt auf, dass ein „Hainricus des  Ennis“ und seine Frau „ Elisabeth de Wilhaim“ dem Kloster Polling ihre Rechte an der Pfarrei Apfeldorf zum Teil verkauft und zum Teil verschenkt haben. Lange war man der Meinung, der Name Apfeldorf kommt von den „abfallenden“ Lechterrassen. Doch die Studie über die Entstehung von Ortsnamen lässt zwischenzeitlich den Schluss zu, dass eher vorhandene Apfelbäume der Namensgeber des Dorfes waren.

Es ist unbestritten, dass Apfeldorf schon eine geraume Zeit vor der ersten urkundlichen Erwähnung bestand. In früheren Aufzeichnungen ist von einem Turm die Rede, welcher direkt am Lechhang stand und an dessen Stelle damals die Kirche gebaut wurde, hier sind auch  die ältesten Behausungen erwähnt. Die zweite ältere Ansiedlung ist die Moosleiten. Sie befindet sich an der höher gelegenen Lechterrasse, hier standen die Häuser dicht gedrängt am Hang. Vom Ortsteil Apfeldorfhausen sind bereits im 15.Jhd.  3 Höfe bekannt, auch die Grubmühle ist bereits in dieser Zeit erwähnt.

Die Geschichte Apfeldorfs ist eng verbunden mit dem Pflegegericht  Rauhenlechsberg. Dieses befand sich im Schloss Rauhenlechsberg, welches auf einem Berg nördlich von Apfeldorf  stand. Urkunden belegen, dass um 1300 die Herren von Seefeld und um 1500  Jörg von Rechberg die Besitzer waren. Das Gebiet des Pflegegerichts erstreckte sich am Lechufer entlang bis Mundraching und wurde als Unteramt bezeichnet. Nach Süden und Osten hin reichte das Oberamt bis nach Peißenberg. Am Fuße des Berges, welcher heute noch Schlossberg genannt wird, befand sich das Gerichtsschreiberhaus.

Im 18. Jahrhundert kam der Niedergang von Schloss Rauhenlechsberg. Das Gebäude zerfiel und auch das Pflegegericht verlor seine Bedeutung ; es wurde aufgelöst und kam im Jahre 1803 zum Landgericht Schongau. Zum Schloss gehörten zahlreiche Grundstücke, welche versteigert oder verkauft wurden. Noch heute ist in Apfeldorf der Flurname „ Schlossanger“ geläufig. Ein Gedenkstein, aufgestellt im Jahre 1859, erinnert an die wechselvolle Geschichte von Rauhenlechsberg.

Strukturmaßnahmen nach 1945:

1953 Bau eines neuen Feuerwehrhauses, erweitert 1968
1966 - 1969 Flurbereinigung
1973 Bau eines neuen Sportplatzes
1974 - 1975 Neubau Turnhalle
1976 - 1979 Bau Spiel-und Bolzplatz, Wanderwege und Parkplätze
1982 Neubau der Bergstraße nach Hausen mit Rottbachüberquerung
1985 Neue Lechbrücke Richtung Kinsau und Erneuerung der Staatsstraße
1986 Einweihung des neuen Friedhofs am Kapellenweg
1988 Eine neue Grundschule entsteht am Wiesenweg
1990 Bau eines Kindergartens
1995 Kindergartenerweiterung um einen Mehrzweck- und Gruppenraum
1995 - 2001 Errichtung der Ortskanalisation mit Kläranlage
1995 - 2001 Teilerneuerung Wasserleitungsnetz, Tagwasserkanal
1999 Turnhallenumbau zu einer Mehrzweckhalle
2002 - 2013 Dorferneuerung mit div. Projekten
2004 Ein zweiter Sportplatz mit Flutlichtanlage wird gebaut
2008 Vertrag mit Kirchenstiftung zur gemeinsamen Pfarrhofnutzung
2009 Am Sportplatz entstehen 3 neue Eisstockbahnen
2011 Bau und Inbetriebnahme einer leistungsfähigen Breitbandversorgung
2011 Renovierung Keller Mehrzweckhalle, Anbau Fußballsportheim
2012 Brunnensanierung zur Trinkwasserversorgung
2014 Krippenanbau am Kindergarten
ab 2014 große Sanierung der Mehrzweckhalle